Great War: Montauban – Erfolg am ersten Tag der Somme

Einstieg

Battlefront hat mit Great War Scenario: Montauban ein neues historisches Szenario für Great War veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht der britische Angriff auf Montauban am 1. Juli 1916, dem ersten Tag der Schlacht an der Somme.

Der Name Somme ist vor allem mit gescheiterten Angriffen, unzerstörten deutschen Stellungen und sehr hohen britischen Verlusten verbunden. Im südlichen Abschnitt der Front verlief der Angriff jedoch anders. Die britische 30th Division und die benachbarte 18th (Eastern) Division erreichten ihre Ziele im Raum Montauban. Das Dorf selbst gehörte damit zu den wenigen bedeutenden britischen Erfolgen dieses Tages.

Genau dieser Teil der Schlacht eignet sich gut für ein historisches Szenario. Montauban zeigt, dass ein Angriff auf ein vorbereitetes Grabensystem 1916 nicht grundsätzlich zum Scheitern verurteilt war. Entscheidend waren die Vorbereitung durch die Artillerie, die Abstimmung zwischen den einzelnen Waffengattungen, eine klare Gliederung des Angriffs und die Fähigkeit, erobertes Gelände schnell zu sichern.

Battlefront stellt im Originalartikel den historischen Hintergrund und die Umsetzung für den Spieltisch vor. Damit lässt sich der Angriff mit britischer und deutscher Infanterie aus der Great War-Reihe nachspielen.

Historische Betrachtung

Die Offensive an der Somme war ursprünglich als gemeinsamer britisch-französischer Angriff geplant. Durch die deutsche Offensive gegen Verdun verlagerte sich jedoch ein großer Teil der Verantwortung auf die britische Armee. Neben einem Durchbruch durch die deutschen Linien sollte die Offensive deutsche Reserven binden und damit den Druck auf die französischen Truppen bei Verdun verringern.

Nach einer mehrtägigen Artillerievorbereitung begann der britische Angriff am 1. Juli 1916 um 7.30 Uhr. Vierzehn britische Divisionen traten auf einer breiten Front an. In vielen Abschnitten hatte das vorherige Bombardement weder die deutschen Unterstände zerstört noch den Stacheldraht ausreichend beseitigt. Als das Feuer auf weiter hinten liegende Ziele verlegt wurde, konnten die deutschen Verteidiger ihre Unterstände verlassen und die angreifende Infanterie mit Maschinengewehren, Gewehren und Artillerie unter Feuer nehmen. Die britische Armee erlitt an diesem Tag mehr als 57.000 Verluste.

Im südlichen Abschnitt bei Montauban waren die Voraussetzungen günstiger. Dort griff die britische 30th Division unmittelbar neben französischen Verbänden an. Die britische und französische Artillerie arbeitete enger zusammen, das Gelände konnte besser beobachtet werden und das Bombardement hatte die deutschen Stellungen sowie große Teile des Drahthindernisses tatsächlich schwer beschädigt.

Die 30th Division bestand zu einem erheblichen Teil aus den sogenannten Pals Battalions aus Liverpool und Manchester. In diesen Einheiten dienten Männer, die sich gemeinsam mit Freunden, Arbeitskollegen oder Nachbarn freiwillig gemeldet hatten. Für viele der Bataillone war der Angriff auf Montauban der erste große Einsatz.

Die beiden vorderen Brigaden der Division sollten zunächst die deutsche Linie zwischen Dublin Trench und Glatz Redoubt einnehmen. Der Angriff war in mehrere zeitlich aufeinander abgestimmte Abschnitte gegliedert. Anschließend sollte die Reservebrigade durch die bereits eroberten Stellungen vorrücken und Montauban selbst besetzen.

Die britische Infanterie ging hinter einem wandernden Artilleriefeuer vor. Dieses Feuer sollte sich schrittweise vor den angreifenden Truppen verlagern und die deutschen Verteidiger daran hindern, ihre Stellungen rechtzeitig wieder zu besetzen. Anders als in mehreren nördlicheren Frontabschnitten konnte die Infanterie bei Montauban dem Feuerplan weitgehend folgen.

Auch der Draht stellte ein geringeres Hindernis dar. Die Artillerie hatte ausreichend große Lücken geschaffen, sodass die britischen Wellen nicht über längere Zeit vor den deutschen Stellungen aufgehalten wurden. Gerade dieser Punkt war entscheidend: Wo der Draht am 1. Juli nicht zerstört worden war, mussten sich die Angreifer vor den Hindernissen sammeln und wurden zu leichten Zielen für deutsche Maschinengewehre.

Die ersten britischen Einheiten erreichten die vorderen deutschen Gräben und nahmen anschließend die Stellungen um Dublin Trench, Train Alley und Glatz Redoubt. Danach rückten weitere Truppen durch Railway Valley in Richtung Montauban vor. Die Verteidiger leisteten aus einzelnen Gräben, Unterständen und befestigten Positionen weiterhin Widerstand, konnten den britischen Vormarsch aber nicht mehr geschlossen aufhalten.

Eine besondere Bedrohung stellte die sogenannte Briqueterie dar, eine befestigte Ziegelei südlich von Montauban. Dort waren Maschinengewehre und Grabenmörser vermutet worden. Durch das vorherige Bombardement war die Stellung jedoch weitgehend zerstört und konnte vergleichsweise schnell genommen werden.

Im weiteren Verlauf des Vormittags drangen britische Soldaten in das schwer beschädigte Dorf ein. Dort mussten Häuser, Keller und Unterstände durchsucht werden. Zahlreiche deutsche Soldaten waren durch das Bombardement abgeschnitten oder in ihren Unterkünften eingeschlossen worden. Andere zogen sich auf weiter hinten liegende Stellungen zurück.

Die Einnahme Montaubans war nicht nur ein örtlicher Erfolg. Die britischen Truppen hatten die deutsche erste Stellung überwunden, die vorgesehene Angriffstiefe erreicht und eine Ausgangsposition für weitere Operationen in Richtung Bernafay Wood, Trônes Wood und Longueval geschaffen.

Der Erfolg konnte jedoch nicht unmittelbar zu einem größeren Durchbruch ausgebaut werden. In den weiter nördlich gelegenen Abschnitten war der britische Angriff größtenteils gescheitert. Dadurch blieben die Flanken der bei Montauban vorgedrungenen Verbände gefährdet. Die erschöpften Truppen mussten zunächst das eroberte Gelände sichern, neue Gräben ausheben, Verbindungen zur Artillerie herstellen und sich auf deutsche Gegenangriffe vorbereiten.

In der Nacht und am folgenden Tag versuchten deutsche Einheiten, verlorene Stellungen zurückzugewinnen. Diese Gegenangriffe konnten Montauban jedoch nicht zurückerobern. Das Dorf blieb bis zur deutschen Frühjahrsoffensive im März 1918 in alliierter Hand. Im August 1918 wurde es nach einem erneuten deutschen Rückzug endgültig von britischen Truppen zurückgewonnen.

Montauban war damit eine Ausnahme innerhalb des ersten Tages der Somme. Der Erfolg beruhte nicht auf einem einzelnen Faktor. Entscheidend war das Zusammenwirken einer wirksamen Artillerievorbereitung, eines beweglichen Sperrfeuers, besserer französisch-britischer Koordination, klarer Zwischenziele und einer Reserve, die den Angriff durch die vorderen Verbände fortsetzen konnte.

Bedeutung für Great War

Das Szenario bietet einen etwas anderen Blick auf die Gefechte des Ersten Weltkriegs. Es geht nicht um Panzerangriffe des Jahres 1918, sondern um einen weitgehend von Infanterie, Maschinengewehren, Mörsern und Artillerie geführten Angriff des Jahres 1916.

Dadurch stehen genau die Elemente im Mittelpunkt, die das Bild der Westfront prägen:

  • vorbereitete Grabensysteme,
  • Stacheldraht und Niemandsland,
  • befestigte Stützpunkte,
  • Maschinengewehrstellungen,
  • Artillerievorbereitung,
  • gestaffelte Infanterieangriffe,
  • Reserven und Gegenangriffe.

Ein historisch ungleiches Szenario

Montauban ist kein klassisches ausgeglichenes Turnierspiel. Die britische Seite greift mit einem konkreten Auftrag und einem festen Zeitplan an. Die deutsche Seite beginnt in vorbereiteten Stellungen und versucht, den Angriff aufzuhalten oder zumindest so lange zu verzögern, dass die britischen Ziele nicht vollständig erreicht werden.

Gerade diese unterschiedlichen Aufgaben machen das Szenario interessant.

Der britische Spieler muss den Schwung des Angriffs erhalten. Bleiben einzelne Platoons zu lange vor der ersten Grabenlinie liegen, kann die gesamte zeitliche Planung zusammenbrechen. Gleichzeitig dürfen die vorderen Einheiten nicht isoliert werden. Eroberte Stellungen müssen gesichert und nachrückende Einheiten rechtzeitig nach vorne gebracht werden.

Der deutsche Spieler kann sich nicht darauf verlassen, den Gegner bereits im Niemandsland vollständig aufzuhalten. Stattdessen muss er seine Stellungen in der Tiefe nutzen. Einzelne Maschinengewehre, Grabenmörser und Infanteriegruppen können den britischen Vormarsch verzögern, während Reserven für Gegenangriffe bereitgehalten werden.

Der britische Angriff

Für den britischen Spieler ist die Artillerie der wichtigste Bestandteil des Angriffs. Sie soll nicht allein möglichst viele gegnerische Teams ausschalten. Ihre eigentliche Aufgabe besteht darin, die Verteidiger niederzuhalten und der Infanterie den Weg zu öffnen.

Die britischen Einheiten sollten deshalb möglichst geschlossen hinter dem unterstützenden Feuer vorrücken. Ein zu vorsichtiges Vorgehen gibt den deutschen Verteidigern Zeit, sich neu zu ordnen. Ein zu schneller Angriff kann dagegen dazu führen, dass die eigene Infanterie ohne ausreichende Unterstützung auf intakte Stellungen trifft.

Nach der Einnahme der ersten Linie muss der Vormarsch fortgesetzt werden. Dabei sollten möglichst frische Einheiten durch die bereits kämpfenden Platoons hindurchgehen. Dies entspricht auch dem historischen Angriffsplan der 30th Division: Die führenden Brigaden sollten die vorderen deutschen Stellungen nehmen, während die Reservebrigade anschließend den Angriff auf Montauban weiterführte.

Maschinengewehre und Mörser eignen sich dazu, noch aktive deutsche Stellungen zu unterdrücken. Sie sollten nicht zu weit zurückbleiben, da ihre Unterstützung spätestens beim Angriff auf die zweite Linie und das Dorf benötigt wird.

Die deutsche Verteidigung

Die deutsche Seite verfügt über den Vorteil vorbereiteter Stellungen. Diese dürfen jedoch nicht als eine einzige durchgehende Verteidigungslinie verstanden werden.

Wird die gesamte Infanterie in den vorderen Gräben konzentriert, kann sie durch das Bombardement und den ersten britischen Angriff stark geschwächt werden. Sinnvoller ist eine gestaffelte Verteidigung. Einige Einheiten halten die vordere Linie, während weitere Platoons tiefer gelegene Gräben, Stützpunkte oder die Ruinen von Montauban besetzen.

Maschinengewehre sollten nach Möglichkeit überlappende Feuerbereiche erhalten. Dabei müssen sie nicht zwingend direkt an der vordersten Linie stehen. Eine weiter hinten eingesetzte Maschinengewehrstellung kann britische Truppen unter Feuer nehmen, sobald diese die ersten Gräben verlassen und ihren Angriff fortsetzen.

Auch kleine deutsche Gegenangriffe können wichtig sein. Ihr Ziel muss nicht immer die vollständige Rückeroberung eines Abschnitts sein. Bereits das Zurückwerfen eines britischen Platoons oder das Unterbrechen der Verbindung zwischen zwei Angriffswellen kann den Zeitplan des Gegners stören.

Geeignete Truppen

Für die britische Seite bietet sich eine infanterielastige Truppe an. Dazu gehören mehrere Rifle Platoons sowie Unterstützung durch schwere Maschinengewehre, leichte und schwere Grabenmörser und Feldartillerie.

Da das Szenario 1916 spielt, gehören keine Panzer auf den Tisch. Die ersten britischen Tanks wurden erst im September 1916 während der Schlacht von Flers-Courcelette eingesetzt.

Auf deutscher Seite steht ebenfalls die Infanterie im Mittelpunkt. Maschinengewehre, Minenwerfer und Artillerie ergänzen die in den Gräben eingesetzten Rifle Platoons. Die genaue Zusammenstellung und die besonderen Vorgaben sollten aus dem von Battlefront bereitgestellten Szenario übernommen werden.

Auch wenn die Armeelisten von Great War vor allem die letzten Kriegsjahre abbilden, lassen sich die vorhandenen britischen und deutschen Modelle gut für Montauban verwenden. Schwere Waffen und Spezialtruppen sollten lediglich auf die im Szenario vorgesehenen Einheiten begrenzt werden.

Der Spieltisch

Der Tisch sollte deutlich als Schlachtfeld von 1916 erkennbar sein. Im Vordergrund liegen die britischen Ausgangsstellungen. Davor befindet sich ein breiter Bereich des Niemandslandes mit Granattrichtern und beschädigten Drahthindernissen.

Auf deutscher Seite folgen mehrere Verteidigungsbereiche. Dazu gehören eine vordere Grabenlinie, Verbindungsgräben, weitere Stellungen in der Tiefe und einzelne befestigte Punkte. Am hinteren Ende des Tisches liegen die Ruinen von Montauban.

Wichtig ist, dass nicht der gesamte Tisch aus gleichmäßig verteilten Kratern besteht. Das Gelände sollte den britischen Angriffsweg und die deutsche Verteidigung nachvollziehbar abbilden. Einige Abschnitte des Drahtes können durch das Bombardement zerstört sein, während andere weiterhin ein Hindernis darstellen.

Für die Gestaltung bieten sich an:

  • britische und deutsche Schützengräben,
  • Verbindungsgräben,
  • beschädigte Stacheldrahthindernisse,
  • große und kleine Granattrichter,
  • zerstörte Häuser,
  • einzelne Baumreste,
  • befestigte Maschinengewehrstellungen,
  • Artillerieeinschläge und aufgewühlter Boden.

Gerade Montauban selbst sollte nicht wie ein vollständig intaktes französisches Dorf aussehen. Nach der Artillerievorbereitung bestand es größtenteils aus beschädigten oder zerstörten Gebäuden. Wenige Ruinen reichen aus, um den hinteren Bereich des Spielfeldes als eigentliches Angriffsziel erkennbar zu machen.

Ein Szenario ohne Panzer

Das Fehlen von Tanks ist für Great War zunächst ungewohnt, da die Fahrzeuge von 1917 und 1918 einen auffälligen Teil der Miniaturenreihe bilden. Für Montauban ist die Beschränkung auf Infanterie und Artillerie jedoch gerade interessant.

Das Spiel wird nicht durch die Frage bestimmt, wie schnell ein Tank das deutsche Maschinengewehr ausschalten kann. Stattdessen müssen die britischen Spieler ihre Infanterie, Mörser und Maschinengewehre koordinieren. Die deutsche Seite muss entscheiden, welche Stellungen bis zuletzt gehalten und welche Abschnitte zugunsten einer tieferen Verteidigung aufgegeben werden.

Damit zeigt das Szenario sehr gut, wie stark der Erfolg eines Angriffs von Planung und Zusammenarbeit abhängig war.

Auch als Ausgangspunkt für weitere Spiele

Montauban kann gut als Beginn einer kleinen Somme-Kampagne verwendet werden.

Nach einer britischen Einnahme des Dorfes könnten weitere Spiele um Bernafay Wood, Trônes Wood, Longueval oder Guillemont folgen. Eine deutsche Gegenangriffsmission in der Nacht nach dem 1. Juli wäre ebenfalls möglich.

Die Verluste des ersten Spiels könnten dabei in die folgenden Partien übernommen werden. Der britische Spieler müsste entscheiden, ob er seine erschöpften Einheiten sofort weiter einsetzt oder zunächst Reserven nach vorne bringt. Die deutsche Seite könnte zusätzliche Einheiten erhalten, müsste aber gleichzeitig mehrere bedrohte Abschnitte abdecken.

So entsteht aus dem einzelnen Szenario eine kleine zusammenhängende Kampagne über die Kämpfe am südlichen Rand des britischen Somme-Abschnitts.

Fazit

Das Szenario Montauban behandelt einen Abschnitt des ersten Tages der Somme, der häufig hinter den gescheiterten Angriffen weiter nördlich zurücktritt.

Für Great War ist das Gefecht besonders geeignet. Es verbindet einen klaren historischen Rahmen mit unterschiedlichen Aufgaben für beide Seiten. Die Briten müssen unter Zeitdruck mehrere Verteidigungsstellungen überwinden und den Angriff bis in das Dorf fortsetzen. Die Deutschen müssen ihre Gräben, Maschinengewehre und Reserven so einsetzen, dass der britische Vormarsch aufgehalten oder zumindest entscheidend verzögert wird.

Gleichzeitig kommt das Szenario ohne Tanks und große Fahrzeugverbände aus. Im Mittelpunkt stehen Infanterie, Artillerie und vorbereitete Stellungen. Damit ist Montauban auch eine gute Gelegenheit, die vorhandenen britischen und deutschen Infanteriearmeen wieder auf den Tisch zu bringen.

Den historischen Hintergrund, den Spielaufbau und die vollständigen Szenariovorgaben findet ihr im Battlefront-Artikel:

Great War Scenario: Montauban bei Battlefront