Flames of War – Wintertarnung bei Panzern

Wintertarnung auf 15-mm-Panzern lebt davon, dass sie nicht zu sauber aussieht. Ein feldmäßig aufgebrachter Whitewash war keine perfekte Lackierung, sondern eine temporäre weiße Tarnschicht, die sich durch Regen, Abrieb und die Arbeit der Besatzung wieder löste. Genau dieser ungleichmäßige Charakter funktioniert bei Flames of War besonders gut.

Für 15 mm ist dabei vor allem der Maßstab wichtig: Abplatzer müssen kleiner, Kontraste klarer und die weißen Flächen etwas heller sein als bei großen Plastikmodellen. Ich würde deshalb nicht einfach eine 1:35-Technik verkleinern, sondern bewusst feiner und zurückhaltender arbeiten.

Drei sinnvolle Wege: Ein direktes Whitewash ist schnell und wirkt improvisiert. Washable White oder Chipping Fluid bietet die meiste Kontrolle. Die Salzmethode erzeugt gröbere, zufällige Abplatzer und sollte in 15 mm besonders sparsam eingesetzt werden.

15-mm-Panther mit stark verwitterter Wintertarnung

Vorbereitung: erst der normale Panzer, dann der Winter

Die Wintertarnung kommt nicht direkt auf die Grundierung. Zuerst wird das Fahrzeug vollständig in seiner normalen Tarnung bemalt. Bei einem deutschen Fahrzeug kann das Panzer Grey oder Dunkelgelb mit Tarnfarben sein, bei einem sowjetischen Fahrzeug Grün und bei US-Fahrzeugen Olive Drab.

Decals würde ich ebenfalls vor der Wintertarnung aufbringen. Anschließend schützt eine dünne Schicht Satin- oder Glanzlack die Grundbemalung. Gerade bei Methoden, bei denen das Weiß später wieder mechanisch oder mit Wasser entfernt wird, ist diese Schutzschicht wichtig.

Für 15 mm: Die normale Grundfarbe darf ruhig etwas heller sein als am Original. Ein großer Teil davon wird später durch den Whitewash wieder abgedunkelt oder optisch gebrochen.

Methode 1: direktes Whitewash mit Schwamm oder Pinsel

Die einfachste Methode kommt ohne Chipping Medium aus. Ein älterer Flames-of-War-Ansatz von The Wars of Pooch arbeitet genau so: Das Fahrzeug wird normal bemalt und anschließend mit wenig weißer Farbe auf einem Stück Schaumstoff betupft. Das Weiß wird nicht gestrichen, sondern unregelmäßig aufgestempelt, sodass die Grundfarbe zwischen den weißen Flächen sichtbar bleibt.

Step 1: Fahrzeug komplett bemalen und versiegeln.

Step 2: Off-White oder White nur sehr sparsam auf ein kleines Stück Blisterschaum aufnehmen und fast vollständig auf Küchenpapier abtupfen.

Step 3: Die Farbe auf Wanne und Turm auftupfen. Nicht gleichmäßig arbeiten und an einigen Stellen die Grundfarbe bewusst stehen lassen.

Step 4: Kanten, Luken und Bereiche mit viel Besatzungskontakt stärker abnutzen. Wenn zu viel Weiß aufgetragen wurde, kann die Grundfarbe mit einem feinen Schwamm oder Pinsel wieder zurückgetupft werden.

Step 5: Mit einem sehr dünnen Wash Details zurückholen und danach Schmutz und Matsch ergänzen.

Diese Methode ist besonders gut, wenn mehrere Panzer zügig für eine Kompanie bemalt werden sollen. Sie wirkt etwas gröber als echtes Chipping, passt aber gut zu einem schnell und ungleichmäßig aufgetragenen Feldanstrich.

Step-für-Step-Beispiel: The Wars of Pooch – How to Winterwash

Methode 2: Washable White oder Chipping Fluid

Für 15 mm ist diese Methode am kontrollierbarsten. Spanish Lead Painting zeigt sie an echten 1:100-Panzer II: Auf Panzer Grey kam Chipping Fluid, darüber die weiße Deckfarbe. Mit Wasser und Pinsel wurde das Weiß anschließend wieder partiell gelöst. Danach folgten Filter, Pin-Wash, Staub und Matsch.

15-mm-Panzer II mit Whitewash
15-mm-Panzer II mit gechipptem Whitewash

Eigene 15-mm-Beispiele mit stark verwitterter Wintertarnung: Beim Jagdtiger ist die ursprüngliche Tarnfarbe an Kanten und beanspruchten Flächen deutlich wieder sichtbar, während der Wirbelwind einen insgesamt geschlosseneren, aber ebenfalls unregelmäßig abgenutzten Whitewash zeigt.

Step 1: Grundtarnung, Details und Decals fertigstellen.

Step 2: Mit Satinlack schützen und vollständig trocknen lassen.

Step 3: Eine dünne Schicht Chipping Fluid auftragen. Alternativ kann direkt ein spezielles Washable White verwendet werden.

Step 4: Eine dünne, ungleichmäßige Schicht gebrochenes Weiß aufbringen. Nicht alle Flächen gleich stark decken.

Step 5: Flächen einzeln mit Wasser anfeuchten und mit einem kleinen Pinsel die weiße Farbe lösen. In 15 mm lieber viele kleine Abplatzer als wenige große Flächen erzeugen.

Step 6: Luken, Kanten, Trittflächen und Wartungsbereiche stärker abnutzen. Große ruhige Panzerplatten bleiben etwas geschlossener.

Step 7: Wieder versiegeln und erst danach mit Washes, Filtern, Streaking und Matsch weiterarbeiten.

Bei Washable White gilt: Je länger die weiße Farbe trocknet, desto schwerer lässt sie sich wieder aktivieren. Für 15 mm ist das sogar nützlich, weil dadurch kleinere, feinere Abplatzer entstehen. Genau auf diesen Punkt weist Rubén Torregrosa in seinem Whitewash-Tutorial hin.

15-mm-Beispiel: Spanish Lead Painting – Panzer II Whitewashed

Methode 3: Salzmethode

Bei der Salzmethode wird das Salz als unregelmäßige Maske verwendet. Sie erzeugt zufällige Abplatzer und ist deshalb sehr wirkungsvoll, aber im Maßstab 15 mm auch am leichtesten zu übertreiben.

Step 1: Grundtarnung fertigstellen und mit Klarlack schützen.

Step 2: Nur einzelne Bereiche leicht mit Wasser anfeuchten.

Step 3: Sehr feines Salz sparsam aufbringen. Grobes Meersalz ist für 15 mm meist zu groß.

Step 4: Eine sehr dünne weiße Deckschicht aufnebeln.

Step 5: Nach dem Trocknen das Salz vorsichtig mit einem alten Pinsel entfernen.

Step 6: Zu harte Übergänge mit sehr dünnem Whitewash, Filter oder einem zweiten feinen Chipping-Durchgang verbinden.

Für 15 mm würde ich Salz nur an wenigen Stellen einsetzen: auf Turmdach, Motordeck, oberen Kanten und größeren Flächen. Ein komplett mit Salz maskierter Panzer wirkt in diesem Maßstab schnell wie ein Tarnmuster aus dunklen Flecken.

Ein wirklich sauber dokumentiertes 15-mm-Foto-Tutorial zur Salzmethode ist deutlich seltener als bei großen Modellbaumaßstäben. Deshalb verwende ich hier bewusst keine 1:35-Bilder als vermeintliches 15-mm-Beispiel. Die Technik selbst ist aber identisch; nur Korngröße und Menge müssen deutlich reduziert werden.

Welche Methode eignet sich für Flames of War?

MethodeWirkungAufwand15-mm-Eignung
Schwamm / direktes Whitewashrau, feldmäßig, schnellgeringsehr gut für ganze Kompanien
Washable White / Chipping Fluidkontrolliert, realistisch verwittertmittelmeine bevorzugte Methode
Salzzufällig, deutlich abgeplatztmittelgut, aber nur mit sehr feinem Salz

Weathering nach der weißen Tarnung

Erst wenn der Whitewash fertig und wieder versiegelt ist, würde ich die eigentliche Alterung beginnen. Ein kontrolliertes Pin-Wash holt Nieten, Luken und Fugen zurück. Auf weißen Flächen wirken blau-schwarze oder dunkelgraue Töne häufig natürlicher als ein tiefes Schwarz.

Der hochgeladene Panzer-Modell-Bemalungsguide beschreibt für Wintertarnung ebenfalls ein gedämpftes Weiß, das anschließend partiell wieder angelöst und abgetragen wird. Für die abschließende Alterung werden unter anderem indigoblaue beziehungsweise blau-schwarze Töne genutzt, um den kalten Eindruck der Tarnung zu erhalten.

Danach folgen Schlamm und Schmutz. Gerade Winterfahrzeuge sollten nicht einfach nur weiß sein. Tauwetter, nasse Erde und Schneematsch sammeln sich stark am Laufwerk, an der unteren Wanne und hinter den Ketten.

15-mm-Sd.Kfz. 251 mit weißer Wintertarnung und Besatzung

Beim offenen Sd.Kfz. 251 sieht man gut, wie Whitewash, dunkles Laufwerk, Schmutz und Besatzung zusammenwirken. Gerade an Kanten, Seitenteilen und Kontaktflächen darf die Grundfarbe wieder stärker hervortreten.

Videos zu den Techniken

15 mm – Flames of War Panther D: OnTableTop zeigt den kompletten Farbaufbau eines Battlefront-Panthers in 15 mm. Das Video ist kein reines Wintertarn-Tutorial, zeigt aber sehr gut, wie die Grundtarnung für ein späteres Whitewash aufgebaut werden kann.

YouTube: World War 2 German Panther D Painting Tutorial – Flames of War

Whitewash und Chipping: Panzermeister36 zeigt das Auftragen, Abplatzen und weitere Weathering einer Wintertarnung mit Washable White und Heavy Chipping Fluid. Das Modell ist größer als 15 mm, die Arbeitsschritte lassen sich aber direkt übertragen; bei 15 mm müssen die Effekte nur feiner ausfallen.

YouTube: Painting and Weathering a Winter Whitewash – Part 2

Untergrund vor dem Whitewash: Im ersten Teil der gleichen Serie werden Filter, Chipping und Streaking auf der eigentlichen Panzerfarbe vorbereitet. Für eine aufwendigere Winterbemalung ist das eine gute Ergänzung.

YouTube: Basic Weathering on a Panzer Grey Finish – Winter Effects Part 1

Mein Ablauf für 15-mm-Panzer

  1. Panzer normal bemalen.
  2. Decals aufbringen.
  3. Mit Satinlack versiegeln.
  4. Chipping Fluid oder Washable White verwenden.
  5. Gebrochenes Weiß dünn und ungleichmäßig auftragen.
  6. Mit Wasser und kleinem Pinsel kontrolliert wieder abtragen.
  7. Besonders an Luken, Kanten und Trittflächen stärker chippen.
  8. Whitewash erneut versiegeln.
  9. Pin-Wash und leichte Filter aufbringen.
  10. Matsch und Schneematsch am Laufwerk ergänzen.
  11. Nur sehr sparsam zusätzlichen Schnee auf horizontalen Flächen darstellen.

Für eine komplette Flames-of-War-Einheit würde ich die Intensität von Fahrzeug zu Fahrzeug leicht verändern. Ein Panzer kann fast vollständig weiß sein, ein anderer deutlich stärker abgerieben. Dadurch bleibt die Einheit zusammengehörig, wirkt aber nicht wie eine Serie identisch lackierter Modelle.

Quellen und Beispiele

Die Bilder auf dieser Seite zeigen eigene 15-mm-Modelle. Für die technischen Abläufe und ergänzenden Beispiele habe ich vor allem Spanish Lead Painting und die Poochie-Whitewash-Methode herangezogen. Ergänzend verlinkt die Seite mehrere Video-Tutorials zur Umsetzung der Techniken.