
Ich habe hier die Vorab-Version von „Blitzkrieg“ vorliegen – das Buch ist im Kern der Early-War-Einstieg (V4) für den Zeitraum 1939–1940 und liefert dir drei spielbare Kräfte für die Kämpfe um Frankreich/Benelux: Deutschland (France 1940), Frankreich (Armée de Terre 1940) und die British Expeditionary Force (BEF). Dazu gibt’s eine ordentliche Portion Hintergrund, „Know your Tanks“-Abschnitte, Command Cards, Painting & Basing Guides und ein kleines Gelände-Kapitel.
Aufbau & Inhalt
- Historischer Teil (spielrelevant aufbereitet)
Am Anfang bekommst du den Kontext: Vormarsch bis zum Krieg, Polenfeldzug, dann Fall Gelb/Fall Rot mit Karten/Zeitleisten – genau die Art von „schnell lesbar, aber stimmungsvoll“, die man vor einem Spielabend gerne durchblättert. - Armee-„Pakete“ pro Nation
Jede Nation folgt demselben Muster:
- Kurzer Fluff-/Einordnungs-Teil
- Special Rules der Nation (die das Spielgefühl wirklich prägen)
- Force Chart (Formationen, Support-Boxen, Wildcard, ggf. Allied Support)
- Danach die Formationen mit ihren Pflicht-/Optional-Auswahlen
- Zum Schluss Support Units, Painting & Basing Guide
- Terrain: Frankreich & Low Countries
Hinten drin ist ein knappes, aber nützliches Gelände-Kapitel: offene Felder, sanfte Hügel, Hecken/Zäune, Ortschaften, Wälder/Obstgärten, Mauern sowie Flüsse/Furten – plus Hinweise, wie sich das fürs Spiel „anfühlen“ soll (Kanäle/Flüsse als Verteidigungslinien, Dörfer als Igelstellungen usw.).
Deutschland spielt sich in „Blitzkrieg“ genau so, wie man es erwartet: Beweglichkeit + Initiative.
- Stormtroopers (zweite Movement Order nach erfolgreicher erster) gibt dir dieses typische „Ich schiebe noch nach / ich korrigiere noch die Position“-Gefühl.
- Third Reich verbessert die Standfestigkeit (Last Stand).
- Dazu kommen tank-/infantrybezogene Regeln wie Gigantic, Protected Ammo, Unit Transport (für Halbketten) und Mounted Assault (der Punch aus dem Fahrzeug heraus).
Unterm Strich: Deutschland ist die Armee, die Tempo erzwingt und gern „aus dem Takt“ des Gegners spielt.
Der deutsche Force-Teil ist ziemlich breit aufgestellt: du kannst eine Force aus mehreren Formationen kombinieren, musst aber mindestens eine stellen. Enthalten sind u. a.:
- Light Tank Company (klassische frühe Panzer I/Panzer II-Stimmung)
- Medium Tank Company (Panzer III/Panzer IV als Kern)
- Panzer 38(t) Tank Company (thematisch 7. Panzerdivision/tschechische Panzer)
- StuG Assault Gun Battery (frühe StuGs als Formation)
- Motorised Rifle Company (Schützen im LKW – „combined arms“ pur)
- Armoured Rifle Company (Sd Kfz 251/„Panzerschützen“-Style)
- Armoured Car Company (limitiert auf max. 1)
- Infantry Company (Infanteriedivisionen als solides Rückgrat)
Gerade das Nebeneinander von Motorised Rifle Company und Armoured Rifle Company ist super, weil es zwei sehr unterschiedliche Spielansätze ermöglicht: einmal „Masse + Waffen-Teams im Schlepptau“, einmal „Spitze + gepanzerte Mobility“.
Der Support ist passend „deutsch“: starke Panzerjäger-Optionen, klassische 10.5cm Artillerie, Aufklärer in mehreren Ausprägungen, 8.8-Optionen, sowie Luftwaffe-Elemente wie Stuka und leichte Flak.
Außerdem gibt’s einen German Wild Card Unit-Slot (u. a. mit dem Neubaufahrzeug als kurioser, aber extrem thematischer Hingucker) sowie Command-Card-Personalities wie Kurt „Schnell“ Meyer als Option für passende Formationen.
Frankreich ist in diesem Buch nicht „schlecht“, sondern anders – und das wird über die Sonderregeln sauber transportiert:
- Methodical bremst deine taktische Flexibilität (und beeinflusst u. a. Break Off), was das „planvoll-vorbereitete“ Vorgehen abbildet.
- Quick Fire macht die berühmte französische 75mm spielmechanisch interessant (je nach Geschützanzahl verändert sich das Re-roll-Verhalten im Bombardement).
- Dazu kommen Dinge wie Unit Transport, Secondary Weapon (wichtig bei französischen Mehrwaffen-Tanks) und Gigantic für große/auffällige Plattformen.
Das Ergebnis: Frankreich belohnt dich, wenn du Positionen vorbereitest, Feuerzonen aufbaust und den Gegner in ungünstige Kämpfe zwingst.
Auch Frankreich hat den „mindestens 1 Formation“-Grundsatz und zusätzlich eine sehr coole Klammer:
- Du darfst eine britische Pflicht-Unit als Support und sogar eine britische Formation als Allied Formation mitnehmen (und umgekehrt können die Briten französisch ergänzen).
Die Formationen sind ein schöner Mix aus ikonischen Tankverbänden und mechanisierter Infanterie:
- Somua S35 Combat Squadron (mechanisierte Kavallerie-Power)
- Renault Char B1 Tank Company (Infanteriepanzer-Schwerpunkt)
- Chasseurs Company (mit dem richtig coolen Twist: Lorraine 38L als Transport-Option via Command Card – „Tracked APC“-Feeling in Early War!)
- Motor Fusiliers Squadron (mobile Infanterie der Kavallerie)
- Dazu kommen Reconnaissance- und Infantry-Formations im Force-Teil (u. a. Panhard AMD als Aufklärungs-Schwergewicht; im Buch als Formation mit Limitierung geführt).
Der französische Support deckt die klassischen Bedürfnisse ab: AT (25mm/47mm/75mm), Artillerie (inkl. 75mm/105mm), Aufklärung und AA-Optionen.
Was mir gefällt: Das Buch gibt Frankreich genug Werkzeuge, um nicht nur „zu reagieren“, sondern aktiv Spielpläne zu bauen – z. B. mit methodischem Panzerkern + gutem AT-Schirm + Quick-Fire-Artillerie.
Die Briten spielen sich wie eine Mischung aus „sturer Infanterie“ und „eigenwilliger Panzerlehre“:
- Bulldog (besseres Counterattack) und Deadly (besserer Assault) machen die Infanterie unangenehm im Nahkampf – sehr BEF-typisch.
- Tankregeln wie Cruiser (kein klassischer ROF-Abzug, aber To-Hit-Penalty bei Bewegung) und Secondary Weapon formen das Schussprofil britischer Panzer.
- Dazu kommen Smoke-Themen wie Smoke Bombardment Only / Smoke Only (CS-Tanks) und ein nettes Detail zu Horse Artillery (Mount/Dismount per Blitz).
Kurz: Briten können sehr „ehrlich“ spielen – Linie halten, sauber unterstützen, im richtigen Moment zubeißen.
Der BEF-Force-Chart ist angenehm fokussiert:
- A13 Armoured Squadron (Cruiser-Kern)
- Matilda I Tank Company
- Matilda II Tank Company
- Divisional Cavalry Squadron (max. 1)
- Rifle Company
Und wie bei den Franzosen gilt: Allied Support ist möglich (eine französische Pflicht-Unit als Support und eine französische Formation als Allied Formation).
Support ist sehr „BEF 1940“: Dingos, Motorräder, Morris CS9, 2-pdr AT, 18/25-pdr Artillerie (auch als Horse Artillery), OP-Optionen inkl. Bren Carrier OP.
Als Sahnehäubchen gibt es den Abschnitt zur British Wild Card Unit (inkl. TOG 1 als absoluter „was-wäre-wenn“-Spaßfaktor für Sammler und Themenlisten).
Command Cards
Das Buch streut Command-Card-Beispiele direkt dort ein, wo sie hingehören (bei Formationen/Units) und erklärt den Ansatz: Ratings/Weapons/Spezial-Formationen und Charaktere. Für Listenbauer ist das wichtig, weil es dir thematische Varianten liefert, ohne dass du in fünf PDFs springen musst.
Hobby-Teil
Die Painting & Basing Guides (DE/FR/UK) sind genau der praktische Battlefront-Stil: Farbtabellen, Hinweise zu Fahrzeugfarben/Camo und klare Basing-Skizzen je Teamtyp. Gerade für Einsteiger in Early War ist das Gold wert, weil man nicht lange rätseln muss, wie welche Teams „gedacht“ sind.
Für wen lohnt sich „Blitzkrieg“?
Wenn du Early War spielen willst (oder einen zweiten „Einstiegsschauplatz“ neben späteren Kriegsphasen suchst), ist das Buch ein sehr rundes Paket:
- Deutschland: Tempo, flexible Combined Arms, viele Formationstypen.
- Frankreich: methodisch, defensiv-stark, mit richtig interessanten thematischen Tools.
- BEF: zähe Infanterie, eigenständige Panzerlogik, sauberer Support.
Dazu kommt: Die Allied-Formation-Regel zwischen Frankreich und BEF sorgt direkt für Abwechslung beim Listenbau (und historisch passende gemeinsame Aufstellungen).


