Im Dezember habe ich angefangen noch einen Trupp VC für meine PAVN Armee in NAM‘ zu bemalen. Das sollte eigentlich in wenigen Tage vollendet sein, da ich auf einen hohen Bemalstandard bei den Truppen absichtlich verzischtet habe und nur eine einfache Bemalung mit Contrastfarben mache. Leider ist dem nicht so und ich schleppe mich nur langsam durch die Modelle. Die ersten sind allerdings nun soweit bemalt und können gezeigt werden.
„Der Tiger“ ist ein Film, der sich weniger als klassisches Kriegsabenteuer versteht, sondern als dreckiges, klaustrophobisches Frontdrama: ein Stahlkasten, eine Besatzung, eine Mission, die sich wie ein Würfelwurf mit schlechten Odds anfühlt. Für mich als Tabletopper (WW2-Schwerpunkt) ist das erstmal ein Heimspiel: begrenzte Sichtlinien, Stress durch Ungewissheit, Munitionsfragen, Moraltests – das sind Dinge, die wir am Tisch abstrahieren, und der Film versucht, sie spürbar zu machen.
Stimmung & Inszenierung: „Kammerspiel auf Ketten“
Die größte Stärke ist die Atmosphäre. Der Film ist nicht „Heroic War“, sondern „Front als Maschine, die Menschen zerreibt“. Die Kamera bleibt oft nah dran, die Geräuschkulisse ist metallisch, hart, drückend. Der Tiger wirkt nicht wie ein Power-Fantasy-Spielzeug, sondern wie ein engenes, heißes, gefährliches Arbeitsgerät, das seine Crew verschlingt, wenn sie einen Fehler macht.
Und das ist der Punkt, wo ich als Hobbyist nicke: In vielen WW2-Filmen ist der Panzer Kulisse oder „Boss-Monster“. Hier ist er eher „Dungeon“ – und die Crew lebt in diesem Dungeon.
Der Tiger als Mythos – und als Falle
Der Film spielt mit dem Tiger-Mythos (Überlegenheit, Angstfaktor, „wenn der kommt, wird’s ernst“) – aber er kippt das nicht in reine Verherrlichung. Man merkt: Der Tiger ist mächtig, aber er ist auch logistisch schwierig, schwer, auffällig, und er zwingt die Crew in Entscheidungen, die sich nach „min-maxing“ anfühlen, nur eben in echt: Wo kann ich überhaupt lang? Was passiert, wenn ich liegenbleibe? Wie viel Risiko kann ich nehmen, bevor ich ein immobilisiertes Ziel bin?
Das ist für Tabletopper interessant, weil wir den Tiger oft als „starken Slot“ sehen – der Film zeigt eher die Schattenseite: Du bezahlst die Feuerkraft mit Abhängigkeiten, Fehlertoleranz gegen Null und dem Wissen, dass die Front dich nicht schont, nur weil du teures Gerät fährst.
Historische Plausibilität: Gefühl oft gut, Details teils wacklig
Ich trenne hier bewusst zwischen „wirkt wie Ostfront“ und „stimmt im Detail“.
Was gut funktioniert
Das Materialgefühl stimmt häufig: Dreck, Abnutzung, improvisierte Härte.
Das ständige „Nebel des Krieges“ ist glaubwürdig: Entscheidungen unter Informationsmangel, Angst vor Hinterhalten, isoliertes Operieren.
Der Film vermittelt, dass ein Tiger zwar beeindruckend ist, aber nicht „magisch“.
Was mich als Nerd rauswerfen kann
Es gibt mindestens einen Punkt, der als WW2-Nerd schwer zu schlucken ist: Der Film nutzt (je nach Szene) Gegnergerät, das zeitlich nicht sauber in 1943 passt (z.B. wird in Produktions-/Filmdetails eine SU-100 genannt, die erst später frontrelevant wurde). Das ist genau der Moment, wo in meinem Kopf das Tabletop-Regelbuch aufgeht und ich denke: „Das ist für das Jahr schlicht falsch.“
Und: Solche Fehler wären vermeidbar gewesen, weil es an der Ostfront 1943 genug passende Bedrohungen gibt, die dramaturgisch genauso funktionieren würden.
Figuren & Moral: Antikriegsfilm, aber aus heikler Perspektive
Der Film will (für mein Empfinden) klar antikriegerisch sein: Er zeigt Verrohung, Angst, Schuld, psychischen Zerfall. Gleichzeitig erzählt er das hauptsächlich aus der Perspektive der deutschen Besatzung. Das kann funktionieren – aber es ist immer ein Drahtseil: Wenn der Film zu sehr in „die armen Kerle“ kippt, wird’s problematisch. Wenn er zu sehr nur Leid abbildet, ohne die Täterperspektive kritisch zu rahmen, fühlt sich das schief an.
Ich finde: „Der Tiger“ versucht, diesen Spagat zu gehen. Er ist nicht „Hurra Tiger!“, aber er ist auch nicht in jeder Szene so klar in der Einordnung, wie ich es mir wünschen würde. Manche Zuschauer werden das als konsequentes Kammerspiel lesen, andere als Perspektivenproblem.
So intensiv der Film das Leid und die psychische Zermürbung der Besatzung zeigt, so wichtig ist es, im Kopf zu behalten, dass hier Soldaten eines Vernichtungskriegs im Dienst des NS-Regimes im Mittelpunkt stehen – und dass die gezeigte Perspektive ohne klare historische Einbettung schnell wie eine Entkontextualisierung wirken kann.
Spoiler-Teil
⚠️ SPOILER ab hier – inklusive wichtiger Plotpunkte und Ende. Wenn du den Film noch nicht gesehen hast: hier wirklich stoppen.
Der Plot als Mission-Szenario (wie ein Tabletop-Scenario mit schlechten Siegbedingungen)
Im Kern ist das ein klassisches „Escort/Deliver/Reach“-Szenario: Eine Tiger-Besatzung wird auf eine Mission geschickt, die von Anfang an nach „nicht fair“ riecht. Der Film nutzt das bewusst: Je weiter die Fahrt geht, desto weniger geht es um militärischen Sinn – und desto mehr um das psychologische Zerbröseln der Crew.
Wie am Spieltisch, wenn man merkt: Der Gegner hat die besseren Winkel, man läuft in Ambush-Zonen, und die eigenen Optionen schrumpfen jede Runde.
Der Tiger wird zum Gefängnis
Mit zunehmender Dauer wird der Panzer weniger „Schutz“ und mehr „Sarg mit Motor“. Die Crew sitzt im Metallkasten, die Außenwelt ist feindlich, und der Film zeigt, wie der Tiger nicht nur Feinde, sondern auch die eigenen Leute „frisst“: durch Angst, Misstrauen, Übermüdung, moralische Entgleisungen.
Für mich ist das der stärkste Horror-Aspekt: Nicht der Gegner ist das alleinige Monster, sondern die Gesamtsituation.
Kampfsequenzen: Spannung vor Taktik
Die Gefechte sind meist so gefilmt, dass sie Stress erzeugen, nicht taktische Klarheit. Das ist dramaturgisch sinnvoll (Film ist kein After-Action-Report), aber als Tabletopper juckt’s manchmal: Sichtlinien, Entfernungen, Winkel – man möchte kurz „Pause“ drücken und Kartenmaterial ausrollen.
Gleichzeitig: Genau dieses „keiner weiß genau was passiert“ ist eigentlich realistischer als saubere Hollywood-Taktik.
Das Ende: kein Triumph, sondern Konsequenz
Das Finale (ohne jedes Detail auszubreiten, aber klar genug): Der Film belohnt die Crew nicht mit Heldentum. Selbst wenn es einzelne „gewinnen wir jetzt noch die Szene“-Momente gibt, bleibt der Ton: Es gibt hier keinen sauberen Sieg. Die Mission wirkt wie ein Mechanismus, der Menschen in Entscheidungen zwingt, die sie innerlich zerstören – und am Ende bleibt eher Leere als Katharsis.
Ich hatte danach nicht das Gefühl „cooler Panzerfilm“, sondern eher „Frontdrama, das mich absichtlich unwohl lassen will“. Und das ist als Antikriegsstatement konsequent.
Gesamtfazit
Wenn du WW2-Tabletop spielst und historische Plausibilität schätzt, ist „Der Tiger“ ein Film mit zwei Gesichtern:
Ja: Atmosphäre, Dreck, Enge, Stress – das ist stark, fast „immersiv“.
Aber: Im Detail gibt’s (mindestens) einen Anachronismus bei Fahrzeugen/Bedrohungen, der einen Nerd sichtbar rausziehen kann.
Dramaturgisch: Kein „Actionfeuerwerk“, sondern ein moralisch düsteres, klaustrophobisches Kammerspiel.
Für mich: Sehenswert, wenn man weiß, dass es eher „Krieg als psychologischer Fleischwolf“ ist – und nicht „Tiger-Glanz und Heldentum“.
Unsere nächste Kampagne wird den Zeitraum Dezember 1944 bis Januar 1945 abdecken und im Kampfraum der Ardennenoffensive sich abspielen. Daher wird für die bereits vorhandene Winterplatte noch ein wenig Gelände benötigt. Hierbei habe ich an beschneite Hecken und Mauern gedacht. Die Bases habe ich dabei mit dem 3D Drucker gedruckt und dann mit Kokosmatten die Hecken dargestellt. An den Mauern bin ich derzeit noch am Arbeiten.
Zum Jahresabschluss haben Björn und ich noch eine kleine Runde FoW im Schnee gespielt. Konkret nach den Büchern Ardennen Offensive und Battle of the Bulge. Dabei hat Björn erstmalig die Achse gespielt und eine Panzerkompanie gespielt. Ich habe mit einer US Panzerkompanie, basierend auf Shermans dagegengehalten. Als Schlachtfeld habe ich meine alte Winterplatte von vor ein paar Jahren ausgekramt und somit hatten wir ein stimmiges Szenario.
Björn hat gut mit den deutschen Panzern performed und mich in 5 Runden in einem Company-Moral-Check gebracht, wobei mein CiC schon vom Feld war und ich somit das Spiel verloren hatte. Dennoch war es ein tolles Spiel und ein gelungender Jahresabschluss.
Schon wieder ist ein Jahr rum – Zeit, einmal kurz innezuhalten, den Pinsel beiseite zu legen und auf unser Hobbyjahr zurückzuschauen. Auf meinem Maltisch war 2025 auf jeden Fall ordentlich was los: jede Menge sowjetischer Stahl, ein paar Ausflüge in andere Systeme und natürlich die üblichen „Mal eben schnell“-Nebenprojekte, die dann doch wieder mehr Zeit gefressen haben als geplant.
Besonders Spaß gemacht haben mir dieses Jahr die ganzen kleinen Nebenarbeiten rund ums Hobby: Listen basteln, Bücher wälzen und passende Modelle dazu heraussuchen. Aus ein paar Bildern und Ideen wurden nach und nach Artikel für den Blog – und aus den Artikeln hoffentlich die eine oder andere Inspiration für eure eigenen Armeen.
Was ich an unserem Hobby immer wieder mag: Es ist ein schönes Gegengewicht zum Alltag. Man sitzt am Maltisch, hat Farbe, Figuren und vielleicht ein paar gute Podcasts oder Musik im Hintergrund, und plötzlich ist aus einem grauen Plastikklotz eine fertige Einheit geworden, die beim nächsten Spiel über das Schlachtfeld rollen darf.
Für 2026 liegen jedenfalls schon genug Ideen bereit: weitere Verstärkungen für meine bestehenden Armeen, ein paar neue Formationen, die ich schon viel zu lange vor mir herschiebe, und sicherlich das eine oder andere spontane Projekt, das sich einfach dazwischen drängelt. Es wird also nicht langweilig werden.
Ich wünsche euch einen guten Rutsch, bleibt gesund, habt einen entspannten Jahreswechsel – und kommt gut mit Pinsel, Würfeln und Miniaturen ins neue Jahr. Wir sehen uns 2026 hier wieder, mit frischer Farbe auf dem Maltisch und hoffentlich vielen neuen Spielen auf dem Tisch.
Evolution der deutschen Panzer vor und im Zweiten Weltkrieg.
Nachdem ich mir gestern schon die sowjetische Panzerentwicklung als Stammbaum angeschaut habe, folgt heute das passende Gegenstück: die deutsche Seite. Das Bild zeigt eine ganze Ahnenreihe vom kleinen Panzer I bis hinunter zu den späten Monsterprojekten wie E-75, E-100 oder Panzer VIII Maus. Für uns Tabletopper ist das wieder ein bisschen wie ein Tech-Tree aus dem Computerspiel – nur eben mit viel mehr Blech, Nieten und historischen Umwegen.
Ganz oben steht der Panzer 35(t) und sein Nachfolger, der Panzer 38(t). Beides ursprünglich tschechische Konstruktionen, die nach der Besetzung übernommen und in die Wehrmacht eingegliedert wurden. Aus dem 38(t)-Fahrgestell entwickelt sich in der Grafik eine ganze Seitenlinie: Jagdpanzer 38t Hetzer, Grille, Marder III, Flakpanzer 38t Gepard und Aufklärungspanzer. Man sieht sehr schön, wie ein solides Fahrgestell immer wieder neu genutzt wird – je nachdem, ob gerade Panzerjäger, Artillerie oder Flak gebraucht wird.
Parallel dazu läuft ganz früh die Linie Panzer I und Panzer II. Beide eher als Schul- und Aufklärungspanzer gedacht, aber zu Kriegsbeginn mangels Alternativen in der ersten Reihe gelandet. Im Stammbaum verzweigen sie sich zu Panzerjäger I, Bison und Wespe. Das Prinzip ist immer ähnlich: man nimmt ein leichtes Chassis, setzt eine größere Kanone oben drauf – und hofft, dass es reicht, bis vernünftige Panzer zur Verfügung stehen.
Richtig interessant wird es dann mit dem Panzer III und Panzer IV. Die Grafik zeigt schön, wie alles irgendwann beim Panzer IV landet. Der wird im Verlauf des Krieges zum eigentlichen Arbeitstier: erst als Kampfpanzer, später als Basis für gefühlt jede denkbare Variante. Aus dem Panzer III gehen die Sturmgeschütze III und die Sturmhaubitze 42 hervor, aus dem Panzer IV dann Sturmpanzer IV Brummbär, Sturmgeschütz IV, Hummel, Nashorn, Flakpanzer IV Wirbelwind und Ostwind. Wer schon einmal eine deutsche Late-War-Armee gebaut hat, kennt dieses Gefühl: am Ende stehen immer irgendwo Panzer-IV-Fahrgestelle auf dem Tisch.
Ein Stück weiter unten verzweigt der Baum in die „mittleren“ und „schweren“ Prestigeprojekte. Der Panzer V Panther bildet eine eigene Familie mit Panther II und dem Jagdpanther. Schlanke Linien, abgeschrägte Panzerung – der Klassiker des späten Krieges. Auf dem Spieltisch sind Panther deutlich teurer als ein Panzer IV, aber eben auch deutlich gefährlicher, wenn sie halbwegs gedeckt bleiben.
Die andere, noch wuchtigere Linie beginnt beim Panzer VI Tiger I. Von hier aus führen gleich mehrere Pfeile weiter: Tiger II, Jagdtiger, Sturmtiger, Tiger Porsche und Elefant/Ferdinand. Und von dort geht es hinunter zu den E-Serien (E-50, E-75, E-100) und Konzepten wie Panzer VII Löwe oder Panzer VIII Maus. Viele davon haben es nie über Prototypen oder Zeichnungen hinaus geschafft, aber sie zeigen, in welche Richtung die deutschen Konstrukteure gegen Ende des Krieges gedacht haben: immer dicker, immer schwerer, immer größere Kanonen.
Zwischendrin tauchen noch ein paar Exoten auf, die man eher aus Bücherregalen (Mid-War-Monster) als vom Spieltisch kennt: Dicker Max, Sturer Emil oder Jagdpanzer IV als weitere Panzerjäger-Zweige. Alle eint der Versuch, mit möglichst großer Feuerkraft gegnerische Panzer auf Distanz zu knacken, notfalls auf einem ziemlich improvisierten Fahrgestell.
Für das Hobby ist dieser Stammbaum gleich mehrfach spannend. Zum einen erkennt man, welche Fahrzeuge logisch zusammengehören, wenn man eine thematisch stimmige Liste bauen möchte:
frühe Kriegsjahre mit Panzer I–III, Mardern und leichten Selbstfahrlafetten,
Mid-War-Listen mit massenhaft Panzer IV, Sturmgeschützen und den ersten Spezialumbauten,
Late-War-Armeen mit Panther, Tiger, schweren Jagdpanzern und dem ganzen „Wunderwaffen“-Anhang.
Zum anderen hilft die Grafik bei der Bemalung. Wenn man sieht, wie viel Technik tatsächlich auf demselben Fahrgestell basiert, versteht man besser, warum bestimmte Details gleich aussehen – Laufrollen, Ketten, Motorabdeckungen – und wo sich spätere Entwürfe bewusst absetzen. Das kann man in der Alterung, Tarnung und Markierung aufgreifen, damit eine Armee wie aus einem Guss wirkt, statt wie ein zufälliger Zirkus aus Einzelmodellen.
Ich mag diese Art von Übersichten, weil sie den Blick weiten: Der Tiger steht dann nicht mehr isoliert als „cooler Panzer“, sondern als Teil einer Entwicklungslinie, in der vorher und nachher noch jede Menge spannender Fahrzeuge gespielt werden wollen. Für mich wandert der deutsche Stammbaum daher direkt neben den sowjetischen in den Inspirationsordner – perfekt, um beim nächsten Projekt zu überlegen, welcher Ast als nächstes auf den Maltisch kommt.